Mitglieder der Weißen Rose

Hans Scholl wird am 22.9.1918 in Ingersheim geboren. Sein Vater, Bürgermeister des kleinen schwäbischen Ortes, ist überzeugter Pazifist, der eine liberale und sozial-humanistische Weltanschauung vertritt. Seine Frau, eine ehemalige Diakonissenschwester, erzieht die Kinder im Sinne der christlichen Lehre. Trotz der Bedenken des Vaters treten Hans und seine Schwester Sophie in die HJ ein, angezogen von dem dort herrschenden Gemeinschaftsgeist und deren Naturverbundenheit. Die militaristischen Ziele der HJ empfinden sie als befremdlich und als sie von Konzentrationslagern und ermordeten Geisteskranken hören, beginnt ein Prozess der Irritation, der an den Grundfester ihrer Überzeugungen rüttelt. Eine Zeitlang weigert sich Sophie, den erschütternden Nachrichten Glauben zu schenken. Vor allem sind es die anonymen, hektographierten Briefe, die sich mit Auszügen aus Predigten des Bischofs von Münster, Graf Galen, in den Briefkästen finden und mit Beispielen des sogenannten „unwerten Lebens“ das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten anprangern, die Hans zu seiner Schwester durchdringen lassen. Im Sinne des christlichen Glaubens fordern sie Mut und Aufrichtigkeit ein und appellierten an das Gewissen. Zugleich wurde in den Briefen der Feldzug der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) gegen christliche Ordensgemeinschaften zum Thema.
Hans wendet sich nun der »bündischen Jugend« zu. Nach dem Abitur und einem halben Jahr Arbeitsdienst meldet er sich im Herbst 1937 freiwillig zum Wehrdienst, um die Waffengattung selbst wählen zu können. Im Zuge der Verhaftungswellen von 1937 wird auch er verhaftet und die ganze Familie Scholl von der Gestapo verhört. Von der Zeit, in der er in Untersuchungshaft war, schreibt er, dass er »in diesen Tagen mehr zum Mann geworden« sei, als er vorher geahnt hätte. „Reißt uns das Herz aus dem Leibe- und ihr werdet euch tödlich daran verbrennen,“ bezeugt sein Tagebuch seinen Reifeprozess zum politischen Denker und Aktivisten.
Der Reichsparteitag in Nürnberg, den er als Fahnenträger hautnah miterlebt, wird für ihn zum Schlüsselerlebnis. Wie das deutsche Volk „in seinen stumpfen, blöden Schlaf“ verfiel und sich als „eine seichte willenlose Herde von Mitläufern“ präsentierte, wird zur Schule seiner weltanschaulichen Bildung. Das tumbe Mitläufertum einer gedankenlosen Masse taucht später, an den Pranger gestellt, im Geist der „Flugblätter der Weißen Rose“ wieder auf. Scholl fasst den Entschluss, Medizin zu studieren und nimmt den Arztberuf fest ins Auge. Während des Studiums in München lernt er an der Bergmannschule, die Sanitäter für den Militärdienst ausbildet, Alexander Schmorell kennen. Aus einer herzlichen Freundschaft zu dem russophilen Kommilitonen geht der „Scholl-Schmorell-Kreis“ hervor, der als Zwei-Mann-Unternehmen die Urzelle der Weißen Rose bildet.
Der 75-jährige Carl Muth, katholischer Theologe und Herausgeber des „Hochland“, das gerade verboten wurde, bittet ihn, bei der Neuardnung seiner Bibliothek zu helfen. Zusammen mit Theodor Haecker werden die beiden führenden Vertreter des „denkenden“ Katholizismus zu den geistigen Mentoren Scholls. In den Vordergrund rückt die Frage, ob Widerstand mit der katholischen Glaubenslehre vereinbar ist, In der antiken und mittelalterlichen Philosophie wird Hans bei Thomas von Aquin und Augustinus fündig, die die Tyrannis mit dem christlichen Glauben als unvereinbar erklären. Hans‘ Akquisitionsbemühungen sind auf die Diskussions- und Leseabende gerichtet, die in der Wohnung des Ehepaares Gertrud und Victor Immanuel Mertens, eines Medizinprofessors in der Münchner Schönfeldstraße, stattfinden. Frau Mertens richtet derartige „Soiréen“ seit Jahren aus und bietet damit dem Münchner kulturellen und ethischen Katholizismus einen geistigen Mittelpunkt.
Die Akquisition läuft lange ins Leere und ist mit der Enttäuschung verbunden, auf die Intelligenz als „archimedischen Hebel“ für den möglichen Umschwung gesetzt zu haben. Zum Lese- und Dislussionskreis stoßen schließlich „die Unseren“ hinzu, wie Alexander Schmorell die Geschwister Scholl, Christoph Probst, Helmut Furtwängler, Raimund Sammüller, Traute Lafrenz und sich selbst bezeichnet. Am 12. Juni 42 wird die zufällige Begegnung mit Kurt Huber bedeutsam, die Hans Scholl auf den Professor aufmerksam macht. Zum Entsetzen der Gastgeberin wird Huber sehr emotional und fordert durch seinen Beitrag unmissverständlich dazu auf, endlich aktiv zu werden.
Es dauert noch bis in den November des gleichen Jahres, bis Hans Scholl im Laufe von drei Begegnungen in der Wohnung Hubers in Gräfelfing sich als Verfasser der Flugblätter der Weißen Rose outet. Anfangs reserviert, meldet Kurt Huber seine Zweifel an, mithilfe von Flugblättern Hitler und die SS von der Macht zu entfernen. Auch die Risikoabwägung dürfte eine Rolle gespielt haben, steht Huber doch die bevorstehende Geburt seines Sohnes Wolfgang vor Augen, der im Februar 43 zur Welt kommt.
Das Beispiel mag verdeutlichen, wie sehr die Mentoren-Frage in erster Linie eine Scholl-Frage war. Die Vorstellung, Kurt Huber sei der Mentor bzw. der Professor der Weißen Rose gewesen, erweist sich als Legende. Beides ist nicht zutreffend. „Bedeutend war…der Einfluss des Herausgebers der katholischen Zeitschrift „Hochland“, Carl Muth, und des Schriftstellers Theodor Haecker, des entlassenen Justizbeamten Joseph Furtmeier sowie des Soziologieprofessors Alfred von Martin…“, hebt Sönke Zankel die geistigen Einflüsse hervor, die Hans Scholls Handeln geprägt haben.
Manches, was mit den ersten vier „Flugblättern der Weißen Rose“ verbreitet wird, die zwischen Juni und Juli 42 erscheinen, lässt aufhorchen: „Man kann sich mit dem Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist“, wird die Ausgabe II eröffnet. „Es ist falsch, wenn man von einer nationalsozialistischen Weltanschauung spricht, denn, wenn es diese gäbe, müsste man versuchen, sie mit geistigen Mitteln zu beweisen oder zu bekämpfen.“ Stilistisch beeindruckend nährt dieser Satz dennoch Zweifel, ob Hans Scholl – im Unterschied zu Kurt Huber – Hitlers „Mein Kampf“ gelesen bzw. persönlich besessen hat. Hitler hat in der millionenfach verbreiteten, zweibändigen Ausgabe seines Hauptwerkes zwar eine nationalsozialistische Weltanschauung nicht zusammenhängend vorgestellt, doch unstrittig ist, dass die irrwitzige Behauptung der Verschiedenwertigkeit der Rassen und ihre symbiotische Verflechtung mit dem Darwinismus den Boden für die Diktatur, Krieg und Völkermord bereitet haben.
Scholl nennt zwei Gründe, dass er in den entscheidenden Momenten nicht versagt habe: Den einen sieht er bei seinen Eltern, deren feste und klare Haltung gegen den Nationalsozialismus ihn widerstandsfähig gemacht hätten. Der andere liegt in den Erfahrungen, die er in der illegalen Jugendgruppe sammeln konnte. Die letzte Aktion der Weißen Rose am 18. Februar 43 gibt dennoch bis heute ein Rätsel auf: weshalb sind die Geschwister, nachdem sie ca. 1000-2000 Flugblätter in der Universität ausgelegt und das Gebäude bereits verlassen hatten, noch einmal von der Amalienstraße in das Gebäude der Universität zurückgekehrt? Von der Empore im 2. Stock stößt Sophie einen Stapel der Flugblätter ins Foyer, wo sie der Pedell, Hausmeister und Hörsaaldiener, Jakob Schmidt, entdeckt und ohne Widerstand festsetzen kann. Ins Rektorat überführt, informieret der Rektor, Hans Wüst, die Gestapo.
Bis in seine Todesstunde wird sich Hans Scholl an die Worte seines Vaters erinnern: „Ich möchte nur, dass ihr grad und frei durchs Leben geht, wenn es auch schwer wird“. Goethes‘ Satz „Was du ererbt von deinen Vätern“ findet in den letzten Worten Hans Scholls ein weithin nachhallendes Echo: „Es lebe die Freiheit!“
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Hans Scholl wird am 22.9.1918 in Ingersheim geboren. Sein Vater, Bürgermeister des kleinen schwäbischen Ortes, ist überzeugter Pazifist und hat eine liberale und sozial-humanistische Weltanschauung. Seine Frau, eine ehemalige Diakonissenschwester, erzieht die Kinder im Sinne der christlichen Lehre. Trotz der Bedenken des Vaters treten Hans und seine Schwester Sophie in die HJ ein, weil deren Naturverbundenheit und der dort herrschende Gemeinschaftsgeist sie fasziniert. Als sie von verschwundenen Lehrern, Konzentrationslagern und ermordeten Geisteskranken hören und die militaristischen Ziele der HJ spüren, überdenken sie aber ihre Meinung.
Hans wendet sich nun der »bündischen Jugend« zu. Nach dem Abitur und einem halben Jahr Arbeitsdienst meldet er sich im Herbst 1937 freiwillig zum Wehrdienst, um die Waffengattung selbst wählen zu können. Im Zuge der Verhaftungswellen von 1937 wird auch er verhaftet und die ganze Familie Scholl von der Gestapo verhört. Von der Zeit, in der er in Untersuchungshaft war, schreibt er, dass er »in diesen Tagen mehr zum Mann geworden« sei, als er vorher geahnt hätte. „Reißt uns das Herz aus dem Leibe- und ihr werdet euch tödlich daran verbrennen,“ legt sein Tagebuch Zeugnis von seinem Reifeprozess zum politischen Denker und Aktivisten ab.
Der Reichsparteitag in Nürnberg wird zum Schlüsselerlebnis, erlebt er doch als Fahnenträger hautnah mit, wie das deutsche Volk „in seinen stumpfen, blöden Schlaf“! verfiel und als „eine seichte willenlose Herde von Mitläufern“ daherkam. An den Pranger gestellt, taucht das tumbe Mitläufertum einer gedankenlose Masse später im Geist der „Flugblätter der Weißen Rose“ wieder auf. Scholl fasst den Entschluss, Medizin zu studieren und nimmt den Arztberuf fest ins Auge. Während des Studiums in München lernt er Alexander Schmorell kennen. Aus einer herzlichen Freundschaft zu dem russophilen Kommilitonen geht der „Scholl-Schmorell-Kreis“ hervor, der als Zwei-Mann-Unternehmen die Urzelle der Weißen Rose bildet.
Scholl nennt zwei Gründe, dass er in den entscheidenden Momenten nicht versagt habe: Den einen sieht er bei seinen Eltern, deren feste und klare Haltung gegen den Nationalsozialismus ihn widerstandsfähig gemacht hätten. Der andere liegt in den Erfahrungen, die er in der illegalen Jugendgruppe sammeln konnte. In dieser Zeit finden sich anonyme hektographierte Briefe in den Briefkästen. Sie enthielten Auszüge aus Predigten des Bischoffs von Münster, Graf Galen, die an Mut und Aufrichtigkeit appellierten. In ihnen wurde der Feldzug der geheimen Staatspolizei (Gestapo) gegen christliche Ordensgemeinschaften angeprangert.
Vor allem sind es die vermehrten Todesfälle von Geisteskranken, die sie in den hektographierten bischöflichen Briefwurfsendungen erschüttern und als Ausdruck des nationalsozialistischen Kampfes gegen das sog. „unwerte“ Leben zum Umdenken herausfordern.
Hans Akquisitionsbemühungen sind auf die Diskussions- und Leseabende gerichtet, die in der Wohnung des Ehepaares Gertrud und Victor Immanuel Mertens, eines Medizinprofessors in der Münchner Schönfeldstraße, stattfinden. Frau Mertens richtet derartige „Soiréen“ seit Jahren aus und bietet damit dem Münchner kulturellen und ethischen, „denkenden“ Katholizismus einen geistigen Mittelpunkt. Die Akquisition läuft lange ins Leere und ist mit der Enttäuschung verbunden, auf die Intelligenz als Triebfeder des Umschwungs gesetzt zu haben. Der Kreis verstärkt sich durch „die Unseren“, wie Alexander Schmorell die Geschwister Scholl, Christoph Probst, Helmut Furtwängler Raimund Sammüller, Traute Lafrenz und sich selbst bezeichnet.
Umso mehr wird die zufällige Begegnung mit Kurt Huber im Juni 1942 bedeutsam. Zum Entsetzen der Gastgeberin tritt Huber durch einen sehr emotional gehaltenen Beitrag hervor und fordert unmissverständlich dazu auf, endlich aktiv zu werden. Hans Scholl wird auf ihn aufmerksam, doch dauert es noch bis in den November des gleichen Jahres, bis er im Laufe von drei Begegnungen in der Wohnung Hubers in Gräfelfing sich als Verfasser der Flugblätter der Weißen Rose outet.
Die bevorstehende Geburt seines Sohnes Wolfgang vor Augen, meldet Huber seine Zweifel an, mithilfe von Flugblättern Hitler und die SS von der Macht zu entfernen. Auch daran lässt sich zeigen, wie sehr die Mentoren-Frage in erster Linie eine Scholl-Frage war. Die Vorstellung, Kurt Huber sei der Mentor bzw. der Professor der Weißen Rose gewesen, erweist sich als Legende. Beides ist nicht zutreffend. „Bedeutend war…der Einfluss des Herausgebers der katholischen Zeitschrift „Hochland“, Carl Muth, und des Schriftstellers Theodor Haecker, des entlassenen Justizbeamten Joseph Furtmeier sowie des Soziologieprofessors Alfred von Martin…“, schlussfolgert Sönke Zankel in Bezug auf die geistigen Einflüsse, die Hans Scholls Handeln geprägt haben.
Manches, was mit den „Flugblättern der Weißen Rose“ verbreitet wird, lässt aufhorchen: „Man kann sich mit dem Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist“, eröffnet Hans Scholl die Ausgabe II. „Es ist falsch, wenn man von einer nationalsozialistischen Weltanschauung spricht, denn, wenn es diese gäbe, müsste man versuchen, sie mit geistigen Mitteln zu beweisen oder zu bekämpfen.“ Stilistisch beeindruckend nährt dieser Satz den Zweifel, ob Hans Scholl – im Unterschied zu Kurt Huber – Hitlers „Mein Kampf“ gelesen und persönlich besessen hat. Hitler hat in seiner millionenfach verbreiteten, zweibändigen Ausgabe seines Hauptwerkes zwar eine nationalsozialistische Weltanschauung nicht zusammenhängend vorgestellt, doch unstrittig ist, dass die irrwitzige Behauptung der Verschiedenwertigkeit der Rassen und ihre symbiotische Verflechtung mit dem Darwinismus den Boden für die Diktatur, Krieg und Völkermord bereitet haben.
Bis in seine Todesstunde wird sich Hans Scholl an die Worte seines Vaters erinnern: „Ich möchte nur, dass ihr grad und frei durchs Leben geht, wenn es auch schwer wird“. Goethes‘ Satz „Was du ererbt von deinen Vätern“ findet in den letzten Worten Hans Scholls ein weithin nachhallendes Echo: „Es lebe die Freiheit!“

Alexander Schmorell wird am 16.9.1917 in Orenburg/Russland geboren. 1921 siedelt die Familie nach München um. Bevor er 1937 das Abitur ablegt, verbringt Alex ein gemeinsames Schuljahr mit Christoph Probst. Nach einem halben Jahr Arbeitsdienst beginnt er am 1.11.1938 den Militärdienst. Nach der Machtergreifung Mitglied der SA und der HJ geworden, radikalisiert er sich schon während seines Arbeitsdienstes, der ihn die Vereinnahmung durch das nationalsozialistische Regime als abstoßend empfinden lässt.
Mit Christoph Probst und dessen Schwester Angelika trifft sich Alex häufiger. Im Sommer 1939 beginnt er ein Medizinstudium in Hamburg, wo er Traute Lafrenz kennenlernt. Als Halbrusse wächst er mit starken Bindungen an seine russische Heimat auf; zu Hause in München-Grünwald wird russisch gesprochen. Im Herbstsemester 1939 wechselt Alexander nach München und lernt in der 2. Studentenkompanie der Heeressanitätsstaffel Hans Scholl kennen. Wie dieser muss auch Alexander Schmorell den Frankreich-Feldzug mitmachen.
Aus dem gemeinsamen Pendeln zwischen Soldat-Sein und dem Studium entsteht aus dem engen Freundschaftsbund mit Hans Scholl die Keimzelle der Weißen Rose. Ab Juni 1942 werden beide mit unterschiedlichen Anteilen zu Verfassern der ersten vier Flugblätter der Weißen Rose, bevor sie im Juli 1942 zusammen mit Willi Graf und Wilhelm Furtwängler zum Einsatz in einer Sanitätskompanie an die Ostfront abreisen. Am Metallzaun des Ostbahnhofes entstehen die legendären Fotos mit Sophie, die für die Weiße Rose ikonografische Bedeutung gewinnen.

Im Zuge der Flugblattaktionen erweist Alexander sich als begabter Logistiker, der sich der Vervielfältigung der Matrizen für die Flugblätter annimmt und die Druckpresse unter Versteck hält. Während der gemeinsamen Lese- und Diskussionsabende bei den Mertens waren sich Sophie und Alexander nähergekommen, die Beziehung wird zu einer echten Prüfung von Sophies Verlobung mit Fritz Hartnagel.
Bei den nächtlichen Aktionen der Weißen Rose, nach denen an mehreren Gebäuden in der Innenstadt und an der Universität 60 cm große Losungen „Nieder mit Hitler“ u.a. in Lettern mit grüner Ölfarbe prangen, wird Alexander am 18. Februar 1943 vor dem Universitätsgebäude Zeuge der Verhaftung von Hans und Sophie Scholl. In Panik geraten versucht er, sich nach Österreich in ein russisches Gefangenenlager durchzuschlagen, was ihm aber misslingt. Der Entschluss, nach München zurück zu kehren, wird ihm zum Verhängnis. Steckbrieflich gesucht, wird er bei dem Versuch, in einem Luftschutzbunker Unterschlupf zu finden, von einer befreundeten Kommilitonin erkannt und verraten.
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Schon bei den Flugblattaktionen hatte sich Alexander als begabter Logistiker erwiesen, der sich der Vervielfältigung der Matrizen für die Flugblätter annimmt und die Druckpresse versteckt hält.
Während der gemeinsamen Lese- und Diskussionsabende bei den Mertens kommen sich Sophie und Alexander näher, verliebt sie sich doch in den dessen jugendlichen Charme, der mit einer großen Unbekümmertheit einhergeht. Die Beziehung wird zu einer echten Prüfung von Sophies Verlobung mit Fritz Hartnagel.
Nach den nächtlichen Aktionen, nach denen an mehreren Gebäuden in der Innenstadt und an der Universität 60 cm-große Losungen in grüner Ölfarbe „Nieder mit Hitler“ u.a. regimefeindliche Schriftzüge prangen, wird Alexander am 18. Februar 1943 vor der Universität Zeuge der Verhaftung von Hans und Sophie Scholl. In Panik geraten, versucht er sich nach Österreich in ein Gefangenenlager russischer Soldaten durchzuschlagen, was ihm nicht gelingt. Der Entschluss, nach München zurückzukehren wird ihm zum Verhängnis. Steckbrieflich gesucht, wird er bei dem Versuch, in einem Luftschutzbunker Unterschlupf zu finden, von einer befreundeten Kommilitonin erkannt und verraten.

Sophie Scholl wird am 9.5.1921 in Forchtenberg/Württemberg geboren, wohin die Familie inzwischen übergesiedelt war. Nach dem Abitur, 1940 in Ulm, besucht sie das Fröbel-Seminar, macht dort 1941 ein Examen für Kindergärtnerinnen und beginnt nach einem Jahr Arbeits- und Kriegshilfedienst das Studium der Biologie und Philosophie in München. Die anfängliche Begeisterung für die HJ schlägt während eines halbjährigen Kriegshilfsdienstes infolge des militärischen Zwanges und des Massenbetriebes im Lager in Zweifel und Skepsis um, die sie eine zunehmend kritische Haltung gegenüber dem Regime einnehmen lassen. Nichts ist einschneidender als enttäuschte Erwartungen. In der Phase der Irritation ihrer Überzeugungen entsteht Raum für Neues. Dabei gewinnt sie an Einfluss auch auf ihren Bruder, und sie dringt auf ihn ein, endlich etwas zu unternehmen. Die Idee von Flugblättern entstand in ihrem Kopf und sie kann sie ihrem Bruder ins Ohr pflanzen. Während des Studiums der Biologie und Philosophie in München eröffnet sich ihr die Möglichkeit der aktiven Teilnahme am Widerstand der Weißen Rose. Vorausgegangen waren drängende Fragen, wer hinter den Flugblattaktionen steckt, die von Hans keinesfalls mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden, was man als Ausdruck von dessen Eitelkeit werten kann. Sophie gelingt es, sich an der Beschaffung von Papier zu beteiligen, auch wagt sie den Kauf größerer Mengen an Briefmarken und nimmt auch an der Verteilung der Flugblätter teil. In der letzten Aktion der Weißen Rose am 18. Februar 1943 gewinnt ihr spontaner Entschluss, Flugblätter in das Foyer der Universität segeln zu lassen, symbolische Bedeutung, die Gegenstand von Filmen bis hin zur Prosa und Lyrik über die Weiße Rose geworden ist.
Hans-Gunther Höckerts, der beste Kenner der Weißen Rose, hat den im Netz kursierenden Vorwurf, die Geschwister Scholl hätten bei ihrer letzten Aktion an der Universität unter Drogeneinfluss gestanden, überzeugend widerlegen können.

Willi Graf, am 2.1.1918 in Kuchenheim bei Euskirchen geboren, wächst in Saarbrücken auf. Er wird im Sinne des konservativ-liberalen Bürgertums erzogen, dessen geistige Werte er schätzt, dessen Konventionen er aber hasst, was ihn sich schon bald der »bündischen Jugend« anschließen lässt. Als Mitglied der katholischen Jugendgruppe »Bund Neudeutschland« und nach deren Verbot, als Freund des »Grauen Ordens«, einem Geheimbund, der sich unter der Leitung von Fritz Leist aus ehemaligen Anhängern der »bündischen Jugend« zusammensetzt, wird die Erfahrung, dass Christsein und Menschsein nicht voneinander getrennt, sondern als eine unzertrennbare Einheit existieren, ein prägendes Moment seiner Persönlichkeitsentwicklung. Der Vers aus dem Jakobusbrief »Seid Gefolgschaft in der Tat, nicht nur im Hören der Worte«, wird für ihn zum Orientierungspunkt und Leitmotiv seines Lebens. Kennzeichnend für seine starke Persönlichkeit, die schon im Jugendalter hervortritt, wird seine Ablehnung, Mitglied der HJ zu werden, die er auch gegen den dringenden Rat seiner Eltern aufrechterhält. Auch die Drohung, er werde sein Abitur nicht ablegen können, und möge sich doch dem Regime anpassen, kann ihn nicht umstimmen. „WilIi“ ist einer der Wenigen, die den großen Verlockungen seiner Zeit widerstehen.
Im Zuge der »endgültigen Ausmerzung« der katholischen Jugendbewegung durch die Nationalsozialisten wird Willi Graf im Frühjahr 1938 in Bonn, wo er ein Medizinstudium aufgenommen hat, für kurze Zeit inhaftiert und nach dem Anschluss Österreichs aufgrund einer Amnestie entlassen. Im Sommer 1938 zur Wehrmacht eingezogen, erlebt er als Sanitäter die Grausamkeit des Krieges in Frankreich, Jugoslawien und später in Polen und Russland mit.

In einem Brief an seine Schwester schreibt er über die Greueltaten der SS und der Wehrmacht an der russischen Zivilbevölkerung: »Ich wünschte, ich hätte das nicht sehen müssen, was sich in meiner Umgebung zugetragen hat und mich aufs tiefste trifft. Doch so etwas darf man sich nicht wünschen. Schließlich hat alles Erlebte einen Sinn“. Im April 1942 kommt er nach München in die Studentenkompanie in der Bergmannschule, um sein Studium im Wechsel mit dem Militärdienst als Sanitäter fortzusetzen. Hier lern er Hans und Sophie Scholl sowie Alexander Schmorell kennen. In der Hoffnung, dem Krieg ein vorzeitiges Ende bereiten zu können, schließt er sich der Weißen Rose an.
Wahrscheinlich bewaffnet stand Willi Graf Schmiere, als Hans und Alexander in einer spektakulären Nachtaktion zum 4. Februar 1943 Parolen wie „Freiheit“, „Hitler, der Massenmörder“ und „Nieder mit Hitler“ an Gebäuden der Innenstadt und dem Eingangsportal der Universität anbringen.
Nach seiner Verhaftung in der Wohnung am Englischen Garten, die er sich mit seiner Schwester Annemarie teilte, hat Graf acht Monate lang geschwiegen und so die Hoffnung der Gestapo durchkreuzt, von ihm weitere Namen von Mitgliedern, vor allem auch in seiner Heimatstadt zu erfahren.
Vor seiner Hinrichtung am 12. Oktober 1943 bezeugt ein letzter Brief aus dem Gefängnis seinen christlichen Glauben, dem er unerschütterlich treu geblieben war: „Mit dem Tod beginnt erst unser wahres Leben, diese Gedanken sind mir immer schon vertraut gewesen. Sage allen meinen letzten Gruß, sie sollen weitertragen, was wir begonnen haben“.
Willi Graf wird am 12. Oktober 1943 in Stadelheim hingerichtet – als Letzter unter den Mitgliedern der Weißen Rose. Auf den Tag genau sechzig Jahre später hat ihn seine Heimatstadt Saarbrücken posthum zum Ehrenbürger ernannt.

Christoph Probst wird am 6.11.1919 in Murnau in eine kunstsinnige Familie geboren. Sein Vater, Hermann Probst, ein promovierter Chemiker und Privatgelehrter, ist mit Paul Klee befreundet, hält engen Kontakt zum „Blauen Reiter“ und ist ein hymnischer Verehrer des norddeutschen Expressionisten, Emil Nolde. Vom Vater erworben, gelangt das Gemälde nach dessen frühen Tod als Hochzeitsgeschenk seiner Stiefmutter, Elise Probst, in den Besitz Christels, wie seine Freunde und Familienmitglieder ihn nennen.
1937 legt Christel am Neuen Realgymnasium München das Abitur ab. Bereits in der 7a mit 15 Jahren lernt er Alexander Schmorell kennen, woraus eine lebenslang-unzertrennliche Freundschaft erwächst. Für „Schurik“, wie Alexander auf russisch heißt, wird diese Jugendfreundschaft zu einem Heimatersatz und einem zu Haue, fremdelte er doch mit seinem Leben in Deutschland. Damit einher geht eine Idealisierung Russlands und des russischen Volkes. Christiane Moll hat 734 der Briefe publiziert, die Christel an seine Freunde und die Familie gerichtet hat. Nach dem zweijährigen Arbeitsdienst beginnt er 1939 ein Medizinstudium in München, wo er im Frühjahr 1940 Herta Dohrn heiratet. Ihr Stiefvater ist der noch kurz vor Kriegsende am 29.4.1945 von den Nationalsozialisten wegen seiner Beteiligung am erschossene Harald Dohrn. Über „Schurik“ lernt er Hans Scholl kennen. „Diese drei jungen Menschen bilden den Nukleus jenes Freundeskreises, der später „Weiße Rose“ genannt wird. Mit ihren drei Namen ist die „Kernmannschaft“ in ihrem frühesten Entwicklungsstadium zu fassen“, schreibt Thomas Mertz in seiner Biografie von Christoph Probst.
Im Juni 1940 kommt Christels erster Sohn Michael zur Welt, dem im Dezember 1941 mit Vincent ein zweiter folgt. Im Herbst 1940 als Sanitätsunteroffizier der Flakartellerie zum Militärdienst nach Schongau eingezogen, erlebt er die Zeit beim Militär als „unnötige Verbannung“ und als „Profanierung“, sei doch ein kollektives „Stuben“-Dasein noch kein Leben. Das Tragen des Judensterns wird im September 41 Pflicht, was Christel schwer belastet, denn seine Stiefmutter ist Jüdin.
Christels Schwiegervater macht ihn mit den bedeutenden Intellektuellen des „denkenden“ Katholizismus wie dem „Hochland“-Herausgeber Carl Muth und Theodor Hecker bekannt. Zugleich nimmt er an den im Sommersemester 1942 beginnenden Lese- und Diskussionsabenden teil. Als Einziger, der eine eigene Familie gegründet hat, gewinnt Christel bald eine Sonderstellung unter den Mitgliedern der Weißen Rose. Man beschließt, den jungen Familienvater aus den unmittelbaren Aktivitäten des studentischen Widerstandes weitgehend herauszuhalten. Als leidenschaftlicher Briefeschreiber berichtet Christel nicht nur über seine privaten Vorlieben, seine große Anhänglichkeit zur Familie, er spart auch Politisches nicht aus. Auf dem Höhepunkt der Krise der Weimarer Republik zeigt er sich im Verlauf der Reichstagswahlen im Juni 1932 besorgt über terroristische Straßenkämpfe, in denen sich „Hitler und Kommunisten erschießen.“ Mit dieser verknappten Bemerkung rückt die bedrohliche Rechtsverschiebung in den Vordergrund, die Hitlers Machtergreifung im März 1933 vorbereitet.
In der Vaterschaft entdeckt Christel seine große Aufgabe, die auf ihn wie ein Magnet wirkt: „Ich betrachte es aber ganz ernsthaft als ein großes Geschenk, dass ich in so jungen Jahren schon Vater von drei Kindern sein darf denn ein großer Teil meines Lebens scheint ja nun mal das Vater-Sein bei mir einzunehmen. Es ist aber nie Gefahr, dass das Übrige dadurch verdrängt wird, denn gerade für die Kinder muss ich mir meine Vielseitigkeit bewahren. Pass auf, mit des Himmels u. Eurer Hilfe, aber vor allem mit meiner Lebenskraft geht alles gut und unser Leben ist fruchtbar. Die gute Substanz muss sich vor allem vermehren, mit Selbstschonung und Einkindersystem wird man den Pöbel nie bändigen können“, schreibt er nach der Geburt seiner Tochter Katja im Januar 1942 an seine Stiefmutter. Thomas Mertz zieht daraus den Schluss, dass Christel „das Familienleben in vollen Zügen genießt.“
Weihnachten 1942 übersteigen seine Vaterfreuden „jedes Maaß“, nachdem er für seine Kleinfamilie eine erste eigene Wohnung im österreichischen Alpendorf Leermoos – mit Blick auf den Patscherkofel gewinnen konnte. Überschwänglich bedankt er sich bei seiner Schwester Angelika für ‚das‘ Geschenk zum Fest, einen Christuskopf, der neben dem „einzigartigen Nolde-Bild“ das festlich geschmückte Weihnachtszimmer mit Glanz erfüllt. „Aber es ist keine Zeit, in der man innerlich zur Ruhe kommen kann. Das Weltgeschehen erregt mich tief und ohne Unterlass“, schreibt er im Dankesbrief an seine Schwester. Trotz all seiner tiefen Unruhe und Sorge – seine Frau war nach der dritten Geburt an Kindbettfieber erkrankt -, zieht es ihn zweimal nach München, um sich mit Hans Scholl und den anderen Freunden zu beraten.
Ende November 42 hatte Hans Scholl ihn um einen Flugblattentwurf gebeten, den er am 28. oder 29. Januar ausgehändigt bekommt. Scholl überfliegt ihn und steckt ihn in seine Tasche. Er wird ihn erst bei seiner Verhaftung am 18. Februar 43 wiederentdecken versucht noch fieberhaft, ihn zu vernichten. Dabei wird er vom Pedell, Jakob Schmidt, entdeckt -, was Christel das Leben kostet.
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Christoph Probst wird am 6.11.1919 in Murnau geboren. Nach dem Besuch verschiedener Schulen legt er 1937 das Abitur ab. Sein Vater, ein Privatgelehrter für Religionswissenschaften und Kunstgeschichte, ist mit den Malern Paul Klee und Emil Nolde befreundet. Nach dem Arbeitsdienst wird Christel im Herbst 1937 zur Luftwaffe nach Schongau eingezogen. Nach einer Versetzung nach Straßburg, erlebt er den Militärdienst als „unnötige Verbannung“ fernab von seiner Familie und !in einer so trägen Umgebung“ als „Profanierung“, da ein kollektives „Stuben“-Dasein noch kein Leben ist.
1939 beginnt er ein Medizinstudium in München, wo er im Frühjahr 1940 Herta Dohrn heiratet. Ihr Vater ist der noch kurz vor Kriegsende am 29.4.1945 von den Nationalsozialisten erschossene Harald Dohrn. Im Juni 1940 kommt Christels erster Sohn Micha zur Welt, dem im Dezember 1941 mit Vincent ein zweiter folgt. Über seinen Schwiegervater lernt Christel Theodor Hecker und Carl Muth kennen. Als Teilnehmer der Lese- und Diskussionsabende bei den Mertens stößt er im Sommersemester 1942 zu den „Unseren“. Als Einziger, der eine eigene Familie gegründet hat, gewinnt Christel bald eine Sonderstellung unter den Mitgliedern der Weißen Rose. Hans Scholl beschließt, den jungen Familienvater aus den unmittelbaren Aktivitäten des studentischen Widerstandes weitgehend herauszuhalten.
Als leidenschaftliche´nr Briefeschreiber berichtet Christel neben vielen Einzelheiten über seine privaten Vorlieben, seine große Anhänglichkeit zur Familie und spart auch Politisches nicht aus. Besorgt zeigt er sich, dass auf dem Höhepunkt der Krise der Weimarer Republik nach den Reichstagswahlen im Juni 1932 „Hitler und Kommunisten erschießen.“ Ohne näher darauf einzugehen, schiebt sich in dieser verknappten Bemerkung die bedrohliche Rechtsverschiebung in den Vordergrund, die mit terroristischen Straßenkämpfen einhergeht.
Cristiane Moll hat 734 der Briefe mit einer reichhaltigen Kommentierung publiziert. Bemerkenswert ist, dass Christel in der Vaterschaft seine große Aufgabe entdeckt, die er auch weltanschaulich begründet: „Ich betrachte es aber ganz ernsthaft al ein großes Geschenk, dass ich in so jungen Jahren schon Vater von drei Kindern sein darf denn ein großer Teil meines Lebens scheint ja nun mal das Vater-Sein bei mir einzunehmen. Es ist aber nie Gefahr, dass das Übrige dadurch verdrängt wird, denn gerade für die Kinder muss ich mir meine Vielseitigkeit bewahren. Pass auf, mit des Himmels u. Eurer Hilfe, aber vor allem mit meiner Lebenskraft geht alles gut und unser Leben ist fruchtbar. Die gute Substanz muss sich vor allem vermehren, mit Selbstschonung und Einkindersystem wird man den Pöbel nie bändigen können“, schreibt er nach der Geburt eines dritten Kindes, einem Mädchen, Katja genannt, im Januar 1942 an seine Stiefmutter. Thomas Merz zieht in seiner aufschlussreichen Biografie daraus den Schluss, dass Cristel „das Familienleben in vollen Zügen genießt.“
So übersteigen Weihnachten 1942 seine Vaterfreuden „jedes Maaß“, konnte er doch für seine Kleinfamilie eine erste eigene Wohnung in Leermoos – mit Blick auf den Patscherkofel gewinnen. Überschwänglich und innig bedankt er sich bei seiner Schwester für ‚das‘ Geschenk zum Fest, einen Christuskopf, der neben dem „einzigartigen Nolde-Bild“ das eigens von ihm geschmückte Weihnachtszimmer mit Glanz erfüllt. Seiner Schwester gegenüber gesteht er: „Aber es ist keine Zeit, in der man innerlich zur Ruhe kommen kann. das Weltgeschehen erregt mich tief und ohne Unterlass“. Trotz all seiner tiefen Unruhe und Sorge die mit seiner am Kindbettfieber erkrankten Frau einhergeht, zieht es ihn zweimal vom Tegernsee nach München, um sich mit Hans Scholl und den anderen Freunden zu beraten. Der Bitte Hans Scholls, für die „Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland, wie sie ab der Ausgabe V heißen, selbst einen Entwurf beizusteuern, will er sich nicht entziehen. „Die Familie war Christels Magnet“, legt Thomas Mertz den Fokus auf Christels Innenleben. Wenige Tage vor seiner Verhaftung klingen seine Worte im letzten Brief an Elise wie ein Resümee: „Und doch, das ist das Irrationale … erfüllt mich das in diese erschütterte Welt gesetzte neue Leben mit tiefer inbrünstiger Freude. Die Kinder werden geführt, geschützt und gesegnet und allein um ihretwillen wird die Welt genesen.“ (Innsbruck, am 14.02.43; zit. nach S. 161)
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Christoph Probst wird am 6.11.1919 in Murnau geboren. Nach dem Besuch verschiedener Schulen legt er 1937 das Abitur ab. Sein Vater, ein Privatgelehrter für Religionswissenschaften und Kunstgeschichte, ist mit den Malern Paul Klee und Emil Nolde befreundet. Die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus erfährt er in der eigenen Familie, weil seine Stiefmutter Jüdin ist. Nach dem Arbeitsdienst wird er im Herbst 1937 zur Luftwaffe eingezogen. 1939 beginnt er ein Medizinstudium in München, wo er im Frühjahr 1940 Herta Dohrn heiratet. Ihr Vater ist der noch am 29.4.1945 erschossene Harald Dohrn. Im Juni 1940 kommt Christophs erster Sohn zur Welt. Über seinen Schwiegervater lernt Christoph Theodor Hecker und Carl Muth kennen. Sein zweiter Sohn wird im Dezember 1941 geboren. Das Wintersemester 1941/42 verbringt er in Straßburg. Nach dem Sommersemester 1942 in München setzt er sein Studium in Innsbruck fort.
Diese fünf Studenten, die als die Gründer der Weißen Rose bezeichnet werden können, haben nicht nur gleiche oder ähnliche Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus gemacht, sondern, da sie alle aus dem konservativ-liberalen Bürgertum stammen, verbinden sie gleiche geistige Interessen und die zunehmende Abneigung gegen den Nationalsozialismus.

Kurt Huber war dreißig Jahre alt, als durch die Inflation 1923 das väterliche Vermögen verloren ging.
Die spärlichen Einkünfte eines a.a.o. Professors ließen ihn schon während der Weimarer Republik den herben, materiellen Verlust in doppelter Hinsicht spürbar werden, was auf seine politischen Anschauungen und seine Stellung zur Republik nicht ohne Einfluss gewesen sein mag.
Am 13. Juli 1898 im schweizerischen Chur, der Hauptstadt des Kantons Graubünden, geboren, zieht die Familie schon im Alter von vier Jahren berufsbedingt durch den Vater, ein Hochschulprofessor, nach Stuttgart. Veranlasst durch den frühen Tod des Vaters, siedelt die Familie nach München über, wo Huber ein Studium der Psychologie und Philosophie an der Münchner Universität aufnimmt. Als junger, vielseitig begabter Studiosus widersteht er den Avancen Röntgens, der ihn für die Physik zu gewinnen sucht, und entscheidet sich für die Musikwissenschaft. Seinem Vorbild Herder folgend fällt seine Wahl nach der Habilitation im Jahr 1920 auf die Volksmusik als wissenschaftliches Betätigungsfeld, wohl nicht ahnend, sich mit dieser Wahl an den unteren Rand der universitären Hierarchie versetzt zu sehen. Unbeirrt durch eine körperliche Behinderung trägt der a.a.o. Professor bei seinen Wanderungen in die Bergwelt der Alpen ein Magnetophon im Rucksack mit sich, um unentdeckte Lied-Schätze musikalisch aufnehmen zu können. Zweimalige Anläufe, ein Ordinariat zu gewinnen, lassen ihn scheitern, obwohl seine Dissertation zu dem Münchner Hofmusiker Ivo de Vento mit summa cum laude ihm höchstes Lob einbrachte.
Legendär wird seine Vorlesung zur Geschichte der Philosophie, in der er sich u.a. dem Theodizee-Problem bei Leibniz widmete. Hubers versteckte Spitzen gegen die NS-Ideologie werden später zu einem wiederkehrenden, künstlerischen Highlight in Michael Verhoevens Verfilmung der „Weißen Rose“. Wie ein Magnet fühlen sich die kritischen Geister der Universität in den Bann gezogen, zu denen auch Jürgen Wittenstein gehört: „Hubers Vorlesungen wurden seinen Hörern zum Erlebnis. Schwer an den Folgen einer Kinderlähmung tragend, schleppte er sich nur mit Anstrengung zum Katheder, wo sich ihm jedes Wort mühsam zu entringen schien. Aber die Schönheit seiner Darstellung (er sprach immer frei), ihr klarer und logischer Gedankenaufbau fesselte einen nach wenigen Augenblicken. Nicht selten geschah es, daß er selber, beseelt von dem Wunsch zu lehren und die ihn bewegenden Gedanken zu vermitteln, in einen geradezu heiligen Eifer geriet…“

Unbestreitbar ist der Einfluss Hubers auf die Mitglieder der Weißen Rose. Vor allem der „klare und logische Gedankenaufbau“ wird zu einem formbildenden, ausdrucksstarken Element der Flugblätter in der Ausgabe V und VI.
Veranlasst durch die einschneidende Intrige Herbert Gerigks, die – wie schon berichtet -, den Karriereabbruch des Berliner Unternehmens bedeutete, ließ Hubers Frau Clara, seine „energische Mitarbeiterin“, wie er sie in einer Widmung seiner Volksliederausgabe nannte, aktiv werden. Im Jahr 1940 stellt sie beim Gräfelfinger Ortsgruppenleiter für ihren Mann den Antrag auf Aufnahme in die NSDAP. Postwendend verbessern sich nicht nur die finanziellen Verhältnisse der nach der Geburt des Sohnes Wolfgang nun vierköpfigen Familie, auch die Chancen bei der Wiedereingliederung Hubers an „seiner“ Universität stellten sich deutlich verbessert dar, so dass das Schlimmste vorerst abgewendet werden kann.
Scholls Kriegserfahrungen als Sanitäter an der Ostfront hatten ihn immunisiert gegen Hubers im Militärischen verwurzelte Überzeugung, in der Wehrmacht den archimedischen Hebel zum Sturz Hitlers und der SS zu sehen. Der berühmte „Wehrmachtssatz“ wird dem Professor kurzerhand aus dem Entwurf des 6. Flugblattes gestrichen, was Huber derart echauffierte, dass er sich am 10. Februar 1943 auf dem Absatz umdrehte und die Wohnung Scholls sichtlich empört verließ. Schon in diesem Moment stand der Bruch der Weißen Rose auf Messers Schneide. Nach ihrer letzten Aktion am 18. Februar 1943 kam die Gestapo einem endgültigen Auseinanderbrechen des kollektiven Widerstandes der Weißen Rose zuvor.
Getreu seiner schweizerischen Herkunft plädierte Huber bereits in seinem inhaltlichen Beitrag zum 5. Flugblatt für eine „gesunde föderalistische Staatenordnung“ in Europa, während Scholl und Schmorell eine zentralistische Staatenbildung nach kommunistischem Muster präferierten. Für Huber, der in der Münchner Revolution mit Teilen des Bürgertums einen „Bolschewismusschock“ erlitten hatte, ein no go. In the long run erwies Huber sich als Visionär, wie die folgenden Sätze bezeugen können: „Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.“ In seiner Gedenkrede zum 80. Jahrestag der Weißen Rose hat der Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, – ohne ihn explizit beim Namen zu nennen -, Hubers politische Botschaft in der Aula der LMU zitiert. Der Gedanke lädt dazu ein, eine gedankliche Brücke zu den aktuellen Kämpfen der Gegenwart zu schlagen, wobei auch sein Plädoyer für den Sozialstaat nicht vergessen werden sollte: „Die Arbeiterschaft muss durch einen vernünftigen Sozialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden…Jedes Volk, jeder Einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt!
Sein konsequent anti-nationalistischer Entwurf für Europa lässt ihn im Nachhinein doch als eine Art abstracten Mentor der Weißen Rose erscheinen. Sein Denken bildet nicht nur einen Anstoß zu kritischer Auseinandersetzung mit politischen Entscheidungen der Gegenwart, sondern beinhaltet zugleich eine Aufforderung zu aktivem Handeln.
