Nach langer Zeit war ich wieder einmal in Gräfelfing, wo ich vor der Stele für Kurt Huber stand und auf einer hölzernen Sitzbank Platz nehmen konnte, die neu installiert war. Im Rahmen des Umbaus des Bürgerhauses sind rund um den Verkehrs-Kreisel in der Ortsmitte Gräfelfings gleichgestaltete Sitzgelegenheiten geschaffen worden, die zum Verweilen einladen. Auch in ästhetischer Hinsicht eine Aufwertung des zentralen Platz in der Ortsmitte, in der das Gedächtniszeichen steht, das seinerzeit vom Kurt-Huber-Gymnasium geschaffen wurde. Wieviele Menschen dort künftig Platz nehmen und bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal etwas von Prof. Kurt Huber lesen werden, um sich mit seiner Vita vertraut zu machen, bleibt eine spannende Frage.
Bei näherer Betrachtung fiel mir ein klappriges, altes Fahrrad auf, das unverschlossen an der Stele lehnte, um auf diese Weise von seinem Besitzer entsorgt zu werden. Clara Huber wäre nach der Ermordung ihres Mannes glücklich gewesen, hätte sie über die Mittel verfügt, sich ihren langgehegten Wunsch nach einem Fahrrad erfüllen zu können, dachte ich. Der guten Ordnung halber habe ich das aussortierte Radl etwas weiter entfernt platziert.
Eine Gedenktafel gegenüber der Stele erinnert an Mirok Li (1899-1950), der als Migrant aus Nordkorea nach Deutschland kam, nachdem er an einem landesweiten Aufstand gegen die japanische Kolonialmacht teilgenommen hatte und darauf das Land verlassen musste. In Gräfelfing wurden Kurt Huber und Mirok Li enge Freunde. Bei einem kürzlichen persönlichen Zusammentreffen mit der langjährigen Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau war ich überrascht, dass ihr der Name des Buches sofort präsent war, das Mirok Li 1946 als autobiografischen Bericht veröffentlicht hat: „Der Yalu fließt“ wurde ein Bestseller der Nachkriegsjahre. Kurt Huber hat den Aufstieg seines Freundes Mirok Li in die Welt der Literatur nicht mehr erlebt.
An seiner Stele verweilend, tauchte auch wieder die Erinnerung an den Anfang unserer Aktivitäten auf, die Prof. Kurt Huber gewidmet waren. Bei einer Gedenkveranstaltung anlässlich seines 127. Geburtstages am 24. Oktober 2021 hatten wir für ihn eine Lanze gebrochen, um die posthume Würdigung als Ehrenbürger Gräfelfings zu erreichen. Unter strengen Corona-Auflagen war damals nur eine geringe Zahl von Teilnehmern auf dem engen Raum an der Stele zugelassen. Ein Anfang war gemacht, der schließlich zur Gründung der Kurt-Huber-Gesellschaft e.V. im September des darauffolgenden Jahres führte.
PS. Im Anhang einige Fotos, die unser Fotograf, Olaf Dankert, geschossen hat.





